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Corporate Social Responsibility in der Landespolitik: Rheinland-pfälzischer Staatssekretär spricht in Kaiserslautern
Posted By Christoph Schank (editor) On September 30, 2006 @ 4:24 pm In +german, Events | Comments Disabled
Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist nicht einzig in der akademischen Forschung, sondern auch in der Landespolitik ein durchaus präsentes und viel diskutiertes Themenfeld. Davon zeugte nicht zuletzt der Beitrag von Dr. Carsten Kühl, rheinland-pfälzischer Staatssekretär für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, im Rahmen der diesjährigen Consulting Akademie Unternehmensethik (18.-22.09), zu dessen Abendvortrag neben der Evangelischen Akademie der Pfalz, der Plansecur Stiftung aus Kassel, der Universität Oldenburg und dem Institut Unternehmensführung auch die Wirtschaftsjunioren von Kaiserslautern einluden. Vor über 40 Gästen referierte Kühl über die gestaltende Rolle der Politik in der Sicherung und Förderung einer verantwortungsvollen Unternehmenstätigkeit, zeigt ihre Möglichkeiten und Grenzen auf und stellte sich der Diskussion.
Dass eine Beschäftigung mit der Corporate Social Responsibility heute mehr denn je angeraten ist, lässt sich an medienwirksam diskutierten Skandalen wie der Freisetzung von Mitarbeitern trotz Rekordgewinnen der einzig an der kurzfristigen Profitmaximierung orientierten Gebaren überwiegend ausländischer Fonds und dem Auftreten von Kinderarbeit in den Lieferantenketten nur zu gut verdeutlichen. Dennoch führte Kühl an, dass es sich bei Marktwirtschaft und ethischer Verantwortung keineswegs um unversöhnliche Gegensätze handelt. Ein klares Bekenntnis zur Marktwirtschaft, trotz ihrer Defizite und auftretenden Missstände, sei und bleibe das klare Bekenntnis der rheinland-pfälzischen Wirtschaftspolitik, so Kühl. Eine Domestizierung der Wirtschaft werde es nicht geben, vielmehr kann es nur darum gehen, durch den umsichtigen Einsatz ordnungspolitischer Instrumente die Rahmenordnung beständig auf Unzulänglichkeiten hin zu überprüfen. Ohnehin sei die tiefe Verwurzelung von gesellschaftlicher Verantwortung im rheinland-pfälzischen Unternehmertum erfreulich: Besonders im Mittelstand und Kleinunternehmen, beiden Gruppen sind über 99% aller rheinland-pfälzischen Unternehmen zuzurechnen, treten überwiegend jene Gründer- und Familienpersönlichkeiten auf, die sich durch ihre lokale Verwurzelung und ihrer persönlichen Haftung positiv von der stark auf Gewinnmargen ausgerichteten Schicht der Konzernmanager unterscheiden und somit dem kurzfristigen Gewinnstreben eine emotionale Bindung an die Region und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein entgegensetzen. Kühl betonte jedoch, dass eine solche gelebte Verantwortung nicht ohne Gewinn für das Unternehmen sein müsse. Der Aufbau und der Erhalt von Reputation und Kundenbindung seien legitime Ziele der Unternehmen und nahe liegende Ergebnisse einer ernsthaft betriebenen Corporate Social Responsibility. Um ein solches Unternehmensverhalten zu fördern, bemühe sich die Landespolitik schon seit Jahren erfolgreich um einen kooperativen Regierungsstil, der sich in der Einbindung aller Partner äußert und den Rahmen für einen fruchtbaren Dialog setze. Nur in einer solchen durch Offenheit, gegenseitigem Respekt und Sachorientierung geprägten Runde sei die gemeinschaftliche Lösung von gesellschaftlichen Problemfeldern denkbar.
In der anschließenden Diskussion zeigten besonders die studentischen Teilnehmer der Consulting Akademie Unternehmensethik auf, wie sehr das vorangegangene Tagungsprogramm zu einer kritischen Reflexion mit unternehmensethischen Fragestellungen anregte. So wurde die nur geringe Verankerung von unternehmensethischen Richtlinien und Grundwerten in den Unternehmen in staatlicher Hand angeführt, ein klares Konzept zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung kommt hierbei bislang nicht zur Anwendung. Für Kontroverse sorgten ebenso die landespolitische Förderung von so genannten Billigfliegern an den Flughäfen Hahn und Zweibrücken. Hierbei wurde die Frage aufgeworfen, wie es das Land verantworten könne, durch entscheidende Infrastruktursubventionen ein Verkehrsmittel zu fördern, welches durch seinen immensen Ressourcenverbrauch besticht und zudem durch die Zunahme von Fluglärm die Lebensqualität der Anwohner spürbar mindert. Gleichzeitig fördert das Land aber auch den Schienenverkehr, der sich als ökologisch sinnvoller, jedoch für den Endverbraucher in der Regel teurer erweist. Kühl räumte ein, dass standortpolitischen Überlegungen eine entscheidende Rolle im Entscheidungsprozess zukommt und es dem Staat zudem nicht ansteht, dem Endverbraucher die Wahl seiner Verkehrsmittel vorzuschreiben.
Nicht zuletzt aus der lebhaft geführten Debatte wurde deutlich, dass der Wille zu einer Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung alleine nicht genug ist. Noch fehlt es in der Praxis an tragfähigen und zukunftsweisenden Konzepten, die ökonomisches Gewinnstreben und gesellschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit synergetisch vereinen und somit einen Zugewinn für Unternehmen und Region gleichermaßen bedeuten. Diese Denkprozesse anzustoßen und die Diskussion darüber anzuregen ist die klare Zielsetzung der Consulting Akademie Unternehmensethik. (Christoph Schank)
Die Consulting Akademie Unternehmensethik
Die Consulting Akademie Unternehmensethik ist ein auf Dauer angelegtes Kooperationsprojekt der Universität Oldenburg, der Evangelischen Akademie der Pfalz und der Plansecur-Stiftung mit dem Ziel, wirtschafts- und unternehmensethische Bildung zu fördern und dabei wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen bestmöglich miteinander zu verzahnen. Sie richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen aus allen Hochschulen im deutschsprachigen Raum. Die Consulting Akademie Unternehmensethik findet im jährlichen Wechsel in Kaiserslautern und Kassel statt und wird vom Institut Unternehmensführung federführend organisiert.
Weitere Informationen finden Sie unter:
[1] www.ca-unternehmensethik.de
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