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Ethikverband: Neue Unredlichkeit in der Wirtschaft bekämpfen


Tuesday, September 26th, 2006


Frankfurt - Mit deutlichen und teils provokanten Worten hat der „Ethikverband der deutschen Wirtschaft“ (EVW) die zunehmende Verantwortungslosigkeit und Unredlichkeit von Managern in Deutschland verurteilt.

„Wir erleben Bestechung und Korruption in nie gekanntem Ausmaߓ, stellt Ulf D. Posé, Unternehmensberater und Präsident des EVW, gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger fest. Der EVW verurteile weder Gewinne, noch Gewinnstreben in der Wirtschaft, aber kritisiere, unter welchen Umständen manche Unternehmen ihre Gewinne erwirtschaften würden. Posé weist auf die innere Verantwortung der Unternehmen hin, der sie sich nicht entziehen könnten, weil Unternehmen Werte bildend auf das Bewusstsein von Mitarbeiter und damit auf die gesamte Gesellschaft einwirken würden. Das Führungspersonal müsse ein Wertesystem vorleben. Sanktionen seien simpel: „Wer sich ethisch daneben benimmt, darf im Unternehmen keine Karriere machen.“

Ökonomischen Erfolg nicht absolut setzen

Die Stellenabbau-Pläne großer deutscher Unternehmen nimmt der EVW zum Anlass, auf den Zusammenhang von gesellschaftlicher Verantwortung und der Verantwortung für den einzelnen Mitarbeiter hinzuweisen. Posé: „Wirtschaftlicher Erfolg muss einhergehen mit sozial verträglichem Miteinander. Das ist die Basis der sozialen Marktwirtschaft. Die Logik kann nur sein: je größer der wirtschaftliche Erfolg, desto mehr kann und muss ein Unternehmen tun, um soziales Miteinander zu optimieren.“ Der EVW verstehe es zwar, wenn ökonomischer Misserfolg zum Stellenabbau führe. Bei hervorragenden Gewinnen jedoch gleichzeitig Stellenabbau zu betreiben, sei in höchstem Maße unredlich und zeuge von einer Haltung, die ökonomischen Erfolg absolut setze.

Politische Lösungen nur die zweitbeste Wahl

Notwendig sei eine neue Redlichkeit, in der wirtschaftlicher Erfolg und soziales Miteinander sich einander vertragen würden. Gelinge es der Wirtschaft nicht, diese herzustellen, werde die Sicherstellung der Verträglichkeit des sozialen Miteinanders zur Aufgabe der Politik. Diese würde dann durch Rahmenbedingungen die Wirtschaft zwingen, ihr ökonomisches Handeln sozial verträglich zu gestalten. Der EVW hält dies für die „zweitbeste Lösung“. „Wir alle müssen eine neue Unredlichkeit bekämpfen“, fordert Posé auf.

Dass der Ethikverband den Zustand in der deutschen Wirtschaft als „ökonomischen Faschismus“ beschreibt, muss aber befremden, auch wenn Posé gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger diese Formulierung als „kalkulierte Provokation“ bezeichnet.

Der EVW mit Sitz in Frankfurt wurde im Dezember 2003 vom Jesuiten und Professor Rupert Lay sowie Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Beratung gegründet und hat 150 Mitglieder, überwiegend Manager. Zweck des Vereins ist die „Entwicklung, Implementierung und Förderung ethisch motivierter Entscheidungen bei wirtschaftlichem Handeln“. (spe|19.09.2006)

www.ethikverband.de




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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