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Forum CSR international



Papier&Druck - ein Puzzleteil der CSR mit großen Handlungspotentialen


Thursday, September 14th, 2006


NGOs berichten: Alle zwei Sekunden fällt Wald von der Fläche eines Fußballfeldes dem illegalen Raubbau zum Opfer. Rund 42 % des industriell genutzten Holzes wird für die Papierproduktion verwendet. Weltweit werden pro Jahr ca. 328 Millionen t Papier und Pappe produziert .

Papier, ein alltägliches Wegwerfprodukt der Industrienationen. Täglich in Händen macht sich kaum jemand Gedanken über die Herkunft dieses früher so kostbaren Gutes. Der pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt 236 kg. Das ergibt eine Menge von ca. 19,5 Millionen Tonnen jährlich. Das bringt Deutschland an Platz vier der Top Papierverbraucher. Wir verbrauchen soviel Papier wie Afrika und Südamerika zusammen.

Gut ist: In Deutschland wird eine Menge Altpapier gesammelt. Der Einsatz von Altpapier (meist für Verpackungs- und Hygieneprodukte) liegt bei 66 %.

Dennoch: Holz wird in vielen Teilen der Erde rücksichtslos gerodet. Die steigenden Energiepreise führen zudem dazu, dass Holz vermehrt als Brennstoff dienen wird. Illegaler Raubbau muss gestoppt und eine nachhaltige Forstwirtschaft gefördert und vor allem gefordert werden. Nadelhölzer benötigen ca. 70 Jahre, bis sie erntereif sind. Eukalyptus, der hauptsächlich verwendete Kurzfaserzellstoff (Laubhölzer), stammt überwiegend aus Südamerika, Indonesien und Südafrika und benötigt nur etwa sieben Jahre bis zur Ernte. Natur- und Urwälder werden gerodet, um schnellwüchsige Plantagen zu errichten. Plantagenflächen verdrängen die Landwirtschaft, die zur Produktion von Lebensmitteln dringend gebraucht wird. Die schnell wachsenden Bäume trocknen wegen ihres enormen Wasserverbrauchs die Böden aus. Der Grundwasserspiegel sinkt, Flüsse und Brunnen versiegen. Die illegale Rodung von Wäldern zerstört den natürlichen CO2 Speicher, führt zu Artensterben, vernichtet auch menschliche Lebensräume und trägt zum Klimawandel bei.

Im Jahr 2005 verbrauchte die Deutsche Papierindustrie 4,959 Millionen t Zellstoff, davon wurden 4,1 Millionen t importiert. Das sind 83 % des Bedarfes. Importländer sind Finnland, Schweden, Brasilien, Kanada, Portugal, Spanien, Chile und die USA.

Um unseren Papierbedarf decken zu können, werden zudem ca. 7, 5 Millionen t Fertigprodukte (Papier/Pappe) importiert. Durch seine weltweiten Handelsverflechtungen werden veränderte Produktions- und Konsummuster in Deutschland internationale Bedeutung gewinnen.

Nachhaltige Forstwirtschaft kann viele Probleme lösen. Von den meisten weltweit aktiven NGO’s wird der Forest Stewardship Council (FSC) als wirksames Kontrollgremium und Zertifizierungsmöglichkeit anerkannt und empfohlen. In weiten Teilen der Druck- und Papierszene in Deutschland wird der FSC abgelehnt und stattdessen der PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) unterstützt, der wiederum von den großen NGO’s nicht als glaubwürdiges Instrument anerkannt wird.

Weltweit 71.000.000 ha Waldfläche sind nach dem FSC und 187.000.000 ha nach dem PEFC zertifiziert; in Deutschland sind dies 566.000 ha (FSC) bzw. 7.180.000 ha (PEFC). NGO’s betrachten die Vielzahl der PEFC-zertifizierten Flächen als Indiz für die einfache Zugänglichkeit dieser Zertifizierung und damit verbunden als unglaubwürdig. In Deutschland selbst dürften sich die Standards beider Systeme nicht sonderlich unterscheiden. Anders ist dies jedoch bei der weltweiten Zellstoffproduktion und dem Schutz von Urwäldern, Pflanzen, Tieren, Menschenrechten und Lebensräumen.

Industrie, Handelsunternehmen und Verlage besitzen viele Einflussmöglichkeiten auf den Zellstoffverbrauch: Druckaufträge wie Magazine, Zeitschriften, Kataloge und Werbebeilagen für Zeitschriften besitzen ein enormes Volumen und die für diese Produkte benötigten Papiere benötigen mehr oder weniger Frischfaserzellstoff.

Alternativen sind der Einsatz von Papieren mit Altpapieranteil. Deren Qualität hat sich in den zurückliegenden Jahren deutlich verbessert. Es reicht nicht aus, dem Verbraucher auf der Straße zu überzeugen. Wesentliche Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Papierproduktion werden erreicht, wenn Einkäufer und Entscheidungsträger von Großkonzernen für ihre Druckaufträge FSC-zertifizierte Papiere nachfragen. Mit gutem Beispiel geht der Random House Verlag voraus, der bereits über 4 Millionen FSC-zertifizierte Bücher produziert hat.

Einkäufer, die FSC-zertifiziertes Papier nachfrragen, stoßen oft noch auf Schwierigkeiten: Druckereien sind nicht ausreichend informiert und agieren nach dem Motto: kennen wir nicht, gibt es nicht. Die Zahl der zertifizierten Papiere wächst jedoch ständig, und FSC-Papier gibt es heute bereits in fast allen Papierklassifikationen Je mehr Nachfrage generiert wird, umso schneller laufen Veränderungsprozesse. Für die Produktion von Massendrucksachen wie Kataloge (Tiefdruck) gibt es derzeit noch zu wenig Anbieter, hier braucht es mehr Nachfrage. Einkäufer müssen wissen: FSC-zertifiziertes Papapier ist keine extra Papierqualität, es gibt keine Einschränkungen und keine veränderten Produktionsprozesse. Das Zertifikat dokumentiert nur einen ökologisch und ökonomisch korrekten Rohstofffluss.

Nachhaltigkeitsberichte und Umweltberichte werden schon häufig auf Recycling oder FSC-zertifiziertem Papier gedruckt, was dann im Impressum besondere Erwähnung findet. Ein Nachhaltigkeitsbericht auf FSC Papier ist ein Anfang. Welches Papier verwendet ein solches Unternehmen für seine sonstigen Drucksachen? Überzeugend wäre in einem solchen Nachhaltigkeitsbericht die Angabe der insgesamt verbrauchten Papiermengen - und die Zusicherung, dass diese aus kontrollierten und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Bei der Verwendung von Recyclingpapier ließe sich vorrechnen, wie viel Wasser, Energie und CO2 dadurch eingespart wurde.

Der Papierbedarf steigt jährlich. Länder wie China und Indien werden bei anhaltendem Wachstum die Situation weiter verschärfen. Deutschland ist im Verbrauch und in der Produktion unter den top five. Wenn Deutschland sich durchsetzt, wird ein neues Einkaufsverhalten der Druckauftraggeber zum Standard werden. Nutzen wir die Chance und bereiten wir uns und den nachfolgenden Generationen eine faire Zukunft.

Autor: Christian Jung (4nature@web.de)

Quellen und Links:

Verband deutscher Papierfabriken (VDP): www.vdp-online.de
Forest Stewardship Council (FSC): www.fsc-deutschland.de
Programme for the Endorsement of Forest Certification schemes (PEFC): www.pefc.de
Kritischer Papierbericht: www.treffpunkt-recyclingpapier.de
Alternativer Waldschadensbericht: www.urgewald.de
Vergleich der Systeme: http://www.umwelt.org/robin-wood/german/wald/behind.htm#note1WWF: www.wwf.de/papier
Datenbank für FSC Papier: www.fsc-papier.de
Datenbank aller FSC Zertifikate: www.fsc-info.org
Blauer Engel: www.blauer-engel.de
Forest Ethics: www.forestethics.org

Empfehlenswerte Lektüre: „Papier macht niemand satt“ und der „alternative Waldschadensbericht“ (zu beziehen über Urgewald) sowie die von über 40 NGO’s unterzeichnete PapierVision (papervision).




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Achim Halfmann (CSR NEWS)

Achim Halfmann is CSR NEWS' managing director and editor-in-chief.

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