Nach den Ursachen der Korruption fragt Ulrich von Alemann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Düsseldorf, in einem Beitrag für Der Überblick - Zeitschrift für ökumenische Begegnung und internationale Zusammenarbeit (Ausgabe 2/2006).
Erst seit den regelmäßigen Berichten von Transparancy International habe man aussagkräftige Fakten: Als am wenigsten korrupt würden demnach die Länder Island, Finnland, Neuseeland, Dänemark, Singapur, Schweden, Schweiz, Norwegen, Australien, Österreich, Großbritannien und die Niederlande gelten. Bis auf Österreich und den Sonderfall Singapur seinen fast alle diese Staaten durchweg protestantisch geprägt. Dies könne nach Ansicht des Autors kein Zufall sein. Vielmehr könne man sagen: Je protestantischer ein Land, desto weniger anfällig sei es für Korruption. Das zu erklären, sei aber schwierig, schreibt von Alemann, denn ob das alte Argument der besonderen protestantischen Ethik auch heute noch gelte, sei fraglich.
Von Alemann verweist auf Forschungsergebnisse, nach denen hierarchische Religionen anfälliger für Korruption seien, reformistische christliche Konfessionen wie protestantische und anglikanische seien dagegen resistenter. Um die Frage nach dem Zusammenhang von Konfession und Korruption endgültig zu klären, müsse aber noch weiter geforscht werden, denn auch Faktoren wie Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit, Wohlstand, Demokratie und vor allem Vertrauen in eine faire Politik würden die Resistenz gegen Korruption positiv beeinflussen.