Duisburg > Mit einem Siegel der Rainforest Alliance wirbt Chiquita für gute Arbeits- und Lebensbedingungen auf seinen Plantagen sowie für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die CSR-Kampagne des Unternehmens erreicht Medienaufmerksamkeit - und stößt auch kritische Berichterstattungen an. So beleuchtet Spiegel online unter der Überschrift “Bananenmulti Chiquita - Unter falscher Flagge?” insbesondere die Arbeitsbedingungen auf Chiquita-Plantagen in Costa Rica und lässt Gewerkschaftsvertreter zu Wort kommen. Der Konzern hält dagegen und berichtet ausführlich zu den Beschäftigungsbedingungen auf seinen dortigen Plantagen.
“Sozial- und Umweltverantwortung wird bei Chiquita groß geschrieben. Alle Aktivitäten des Unternehmens orientieren sich an den vier Grundwerten: Integrität, Respekt, Chancen und Verantwortung. So werden beispielsweise schon seit vielen Jahren Schulen, Krankenhäuser, Hafenanlagen, Bahnlinien und Elektrizitätswerke im Auftrag von Chiquita gebaut. Bananenfarmen schaffen Arbeitsplätze geschaffen und verbessern die Lebensqualität der Menschen, die dort leben“, heißt es auf der Unternehmenswebsite www.chiquita.de zur Corporate Social Responsibility des Konzerns. Daran muss sich das Unternehmen messen lassen.
Seit 14 Jahren kooperiert Chiquita mit der Rainforest Alliance; 2000 konnten alle Chiquita eigenen Farmen zertifiziert werden. Nachdem das Unternehmen vier Jahre hintereinander diese Zertifizierung aufrechterhalten konnten, entschied sich Chiquita, die Zertifizierung auch auf der Chiquita Banane sichtbar zu machen – durch das Siegel der Rainforest Alliance. In den zurückliegenden Jahren sei der Konzern vom Saulus zum Paulus geworden, sagte Oliver Bach von der Rainforest Alliance dem Spiegel. Im Rahmen der Zertifizierung kontrolliert die Rainforest Alliance die Umweltverträglichkeit des Bananenanbaus, den Erhaltung der Artenvielfalt und sozialgerechte Arbeitsbedingungen.
An letzteren druckt der Spiegel Kritik: Von einer solchen Läuterung habe er noch nichts bemerkt, zitiert das Magazin Ramón Barrantes vom Dachverband der Bananenarbeiter-Gewerkschaften (Cosiba CR). “Chiquita ist weder aus umweltpolitischer Sicht noch aus arbeitsrechtlicher Sicht vorbildlich” Überlange Arbeitszeiten, zu geringe Lohnzahlungen und Behinderung der Gewerkschaften lauten die Vorwürfe. Chiquita hält dagegen und berichtet ausführlich zu seinen Arbeitsbedingungen, die sich mit allen Rechten und Vorteilen für die Arbeitnehmer nach den gesetzlichen Vorgaben Costa Ricas richten, wie das Unternehmen betont.
Kinderarbeit ist in allen Chiquita Betrieben nicht zugelassen und auch in den Verträgen mit Lieferanten untersagt. Die unangemessen langen Arbeitszeiten in der Bananenproduktion will Chiquita vermeiden. Heute liegt die Arbeitszeit in seinen Betrieben in Costa Rica bei 48 Stunden pro Woche - der normalen Arbeitswoche nach costaricanischem Recht. In Panama und Guatemala ist es dem Unternehmen bereits gelungen, seine Mitarbeiter auf Grundlage einer 5-Tage-Woche zu beschäftigen.
Chiquita bezahlt seine Mitarbeiter in der Bananenproduktion nach einem Akkordarbeitsmodell - also nach Leistung - und garantiert dabei den Erhalt des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns. Der ausgezahlte Nettolohn lag dabei im Durchschnitt der letzten Jahre um mindestens 50 % über dem Mindestlohn – im 2. Quartal 2006 überstiegen die Durchschnittslöhne den Mindestlohn konkret um 55 % (USD 351 gegenüber USD 229). Das Unternehmen gewährt darüber hinaus Zusatzleistungen. Der Lebensstandard der Chiquita Mitarbeiter hat sich durch einen weiteren wichtigen Aspekt verbessert: Und es unterstützt seine Arbeiter beim Erwerb eines Eigenheims in der Nähe der Farmen. In Costa Rica haben sich bis jetzt 140 Arbeiter – darunter 40 Frauen – an diesem Programm beteiligt und ihre Häuser zu subventionierten Preisen gekauft. Rohstoffe für weitere 185 Häuser wurden gestiftet.
Chiquita will bei der Einhaltung des international anerkannten Arbeitsrechts in der Bananenproduktion eine Vorreiterrolle einnehmen. Im Jahre 2001 unterzeichnete das Unternehmen als einziges aus der Branche einen Rahmenvertrag mit den internationalen Gewerkschaftsorganisationen IUF (International Union of Foodworkers) und COLSIBA (Verband von Gewerkschaften der Arbeiter in der Bananenproduktion Lateinamerikas). In Costa Rica ist der Prozentsatz an Gewerkschaftsmitgliedern unter den Chiquita Arbeitern niedriger als in anderen Ländern Mittelamerikas (9 % in Costa Rica, 48 % in Honduras, 100 % in Panama). Als Grund dafür sieht das Unternehmen, dass sich in Costa Rica durch Arbeiter demokratisch gewählte „ständige Ausschüsse“ als Arbeitervertreter etabliert haben. Sie unterzeichnen die Verträge mit dem Unternehmen für den jeweiligen einzelnen Betrieb. Chiquita räumt ein, dass die Gewerkschaft SITAGAH dem Arbeitsministerium von Costa Rica im Juni 2006 eine Beschwerde im Hinblick auf die Vereinigungsfreiheit auf Chiquita Farmen in Costa Rica vorgelegt hat. Unternehmensvertreter haben sich bereits mit Vertretern der Gewerkschaft und des Ministeriums getroffen, um diese Angelegenheit durch Gespräche und Verhandlung konstruktiv zu lösen. Unabhängig davon wird gegenwärtig im Auftrag der SAI (der Organisation, die den sozialen Standard SA8000 umsetzt) von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eine Untersuchung zu dieser Beschwerde abgeschlossen.
Chiquita hat auf dem Weg zu einem verantwortungsbewussten Unternehmen auf schwierigem Terrain bereits eine weite Strecke zurückgelegt - und findet deshalb auch eine positive Presse. So titelt natur+kosmos in seiner Augustausgabe “Bananenmulti auf neuen Wegen” und schreibt dazu: “Chiquita, einst als ‘der Krake’ von Zentralamerika verpönt, setzt seit einem guten Jahrzehnt auf Reformen und nachhaltiges Wirtschaften.” Und brand eins urteilt in seiner Januarausgabe: “Auch wenn einige Kritiker weiter darauf beharren, dass die Zertifikate und Verträge Makulatur seien - [CEO] Steve Warshaw hatte sein Unternehmen nach Jahrzehnten des Raubbaus auf einen Kurs der Nachhaltigkeit gebracht, bei dem unabhängige Dritte Fortschritte und Verfehlungen kontrollieren und dokumentieren konnten.”
Deutlich wird am Beispiel Chiquita zumindest dreierlei: CSR-Kampagnen besitzen große Chancen auf eine breite Öffentlichkeitswirkung, und sie ziehen naturgemäß auch kritische Berichterstattungen an. In der Corporate Social Responsibility können Umweltschutz und Arbeitsschutz nicht auseinander dividiert werden. Und: Unternehmen müssen in dem Umfeld beurteilt werden, in dem sie tätig sein. Denn gerade in Ländern der Entwicklungszusammenarbeit kann der Weg hin zu “westlichen” Standards lang und beschwerlich sein. Und er ist nicht ohne die Unterstützung der Regierungen und anderer lokaler Akteure zu gehen.
Im Internet stellt Chiquita ausführliche Informationen zu der aktuellen Auseinandersetzung um seine CSR-Aktivitäten zur Verfügung: www.chiquita.de