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Wird so Deutschland wieder Spitze? Über die aktuelle „Chef-Serie“ der Bild-Zeitung


Friday, August 11th, 2006


Wenn die wichtigsten Chefs in Deutschland ihren Landsleuten in der Bild-Zeitung erklären, “wie Deutschland wieder Spitze wird”, dann darf man gespannt sein und Handfestes erhoffen.
von Dr. Stephan Pesch*

(CiW) - Wenn die wichtigsten Chefs in Deutschland ihren Landsleuten in der Bild-Zeitung erklären, “wie Deutschland wieder Spitze wird”, dann darf man gespannt sein und Handfestes erhoffen. Wo liegen die Probleme? Wie sehen die Lösungen aus? Was kann und was muss ich selbst tun?

Die Diagnose, woran es in Deutschland hapert, fällt den Konzernlenkern nicht schwer und ist bekannt: Deutschland hat nicht genug Jobs. Die Kosten für einfache Arbeiten sind zu hoch. Es gibt zu viele Gesetze und Regulierungen. Unsere Politiker sind zu mutlos.

Mutig dagegen formuliert BASF-Vorstand Jürgen Hambrecht: „Geiz macht arbeitslos“. Immer billiger einkaufen gehe nur, weil immer billiger produziert werde – aber leider immer weniger in Deutschland. Den Preiskampf könne Deutschland nicht gewinnen, aber den Wettlauf der Ideen. „Lieber gute Ideen jagen als Schnäppchen“, heiße es jetzt für Deutschland. Gute Idee, sagt sich der Bild-Leser, darüber kann man zumindest mal nachdenken.

Die Vorschläge der Bosse bleiben ansonsten aber eher allgemein: Weniger Kündigungsschutz, mehr Geld für Forschung und Entwicklung, mehr Erfindergeist, mehr Mut zu neuen Wegen, mehr Firmen gründen, neue Produkte entwickeln, Wissenschaft und Wirtschaft besser zusammenbringen, „den deutschen Michel entfesseln“ (was immer das heißen mag). Misstrauisch ist man standesgemäß dem Staat gegenüber: Weniger Gesetze bedeuten mehr Wachstum, weniger Regulierung mehr Jobs. Oder wie es Wulf Bernotat, Vorstandschef von E.ON andersherum formuliert: Regulierung vernichtet Arbeitsplätze. Vernünftig: „Die Sozialsysteme müssen endlich aus den Steuern und nicht mehr aus den Löhnen finanziert werden“, meint Bernotat.

SAP-Vorstand Hennig Kagermann setzt auf die Informationstechnologie und die neuen „Job-Maschinen vom Typ Google, Ebay oder Amazon“. Erforderlich seien die Neugier auf Neues, Mut zu unternehmerischem Risiko und eine Wiederentdeckung der Technik als Problemlöser. Optimistisch wie man ihn kennt: Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank: „2006 könnte eines unserer besten Jahre werden.“ Jürgen Klinsmann und die Deutsche Nationalmannschaft hätten vorgemacht, dass „es geht“. „Es gibt viele Klinsmänner und Klinsfrauen in Deutschland“, stellt Ackermann nicht ganz überzeugend fest.

Über den Tellerrand seines Unternehmens schaut Utz Claassen, Vorstandschef des Energieriesen EnBw: „Die besten Investitionen sind die in unsere Kinder“, und fordert: Kein Wohlstand auf Kosten künftiger Generationen!“. Nichts sei sozialer, als durch wirtschaftliches Wachstum soziale Absicherung und eine saubere Umwelt überhaupt erst zu ermöglichen.

Richtig „persönlich“ wird einzig Telekom-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Er appelliert an die „deutschen Tugenden“ wie Mut, Entschlossenheit, Perfektion, Wahrheit und harte Arbeit. „Lieber selbst gestalten als gestaltet zu werden“, fügt er auffordernd hinzu.

Eine Frage, die sich dem wirtschaftlich interessierten und in der Wirtschaft tätigen Leser nach Lektüre der bisher veröffentlichten Statements der wichtigsten deutschen Chefs aufdrängt: Warum redet denn kaum einer von so einfachen Dingen wie „Kunde“ oder „Mitarbeiter“. Wie will man an die Spitze kommen bzw. dort bleiben, wenn man nicht die Menschen im Blick hat, die kaufen und schaffen sollen? Kunden sind die einzige Daseinsberechtigung für Unternehmen, und ohne dass sie folgen, kann man nicht an die Spitze kommen, oder aber es wäre dort sehr einsam. „Spitzen-Manager“ müssen als Führungskräfte mehr zu sagen haben als „Packen wir´s an!“ oder „Wir packen es!“.

*Chefredakteur der CiW-Wirtschaftsnachrichten und Inhaber einer Agentur für Wirtschaftskommunikation




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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