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Mit Umwelt-Holdings renditeorientiert in Naturschutzprojekte investieren

Posted By Achim Halfmann (CSR NEWS) On August 11, 2006 @ 5:07 am In +german, editor's news | Comments Disabled

Frankfurt > Umweltorganisationen können von Partnerschaft mit institutionellen Investoren profitieren. Eine von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag des WWF erstellte Studie stellt ein Holding-Modell vor, das Nachhaltigkeit garantiert und zugleich rentable Investitionen in Kleinprojekte ermöglicht. Solche Investitionsmodelle sind gefragt, denn das Marktpotenzial für ökologische Kapitalanlagen wächst stetig. Auf eine entsprechend große Resonanz stieß die Studie unter dem Titel “Sustainable Investments for Conservation - Neue Potenziale für die internationale Naturschutzfinanzierung“, wie PwC heute berichtet.

Das Marktpotenzial für so genannte ethische, insbesondere ökologisch nachhaltige Kapitalanlagen wächst stetig, während geeignete Anlageobjekte immer schwerer zu finden sind. Für Umweltschutzorganisationen wie den WWF eröffnet diese Angebotslücke neue Möglichkeiten. Naturschutzprojekte könnten dank der Finanzierung durch nachhaltig orientierte Investoren ohne den Einsatz öffentlicher Mittel oder Spenden unterhalten werden.

In Deutschland hat sich das Marktvolumen für so genannte nachhaltige Investmentfonds mit ökologischer, sozialer oder anderer ethischer Ausrichtung seit 2002 verfünffacht und liegt derzeit bei rund 13 Milliarden Euro. Insgesamt wird der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen in Europa derzeit auf rund 500 Milliarden Euro geschätzt. Dennoch ist der Marktanteil mit einem Prozent gering. Der internationale Vergleich zeigt: In Belgien entfallen auf nachhaltige Fonds bereits zwei Prozent des Gesamtmarktes, in den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz immerhin 1,5 Prozent. In einer Umfrage gaben Ende 2005 über 90 Prozent der befragten Fondsmanager an, ihr Engagement bei nachhaltigen Investments verstärken zu wollen.

Die wachsende Nachfrage der Anleger nach ethischen Kapitalanlagen und Investmentfonds ist jedoch nicht beliebig zu befriedigen. “Derzeit fehlen vor allem klare, allgemein anerkannte Mindeststandards, die ein Nachhaltigkeitsfonds zu erfüllen hat. Als Massenprodukt müssen Investmentfonds über ein ausreichendes Volumen verfügen und zudem leicht handelbar sein. Ein Portfolio, welches diesen Liquiditätserfordernissen genügt, läuft jedoch schnell Gefahr, seine Glaubwürdigkeit als nachhaltiges Investment zu verlieren“, meint Alfred Höhn, verantwortlicher Partner für das Projekt bei PwC Deutschland.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma weist die in der Studie entwickelte Konzeption der „Umwelt-Holding“: Dabei treten Umweltorganisationen als Initiatoren einer Holding auf, die ökonomisch rentable Naturschutzprojekte bündelt und das zur Umsetzung erforderliche Kapital bei institutionellen Investoren einwirbt. Die Holding führt die Projekte nicht selbst durch, sondern überlässt dies operativen Tochtergesellschaften. Die Umweltorganisationen kontrollieren dabei entweder als direkte Anteilseigner oder über eine Stiftung die Einhaltung der ökologischen Prinzipien seitens der Holding und der Tochtergesellschaften. Professionelle Investoren profitieren im Holding-Modell nicht nur von der garantierten Nachhaltigkeit, für die der Name der Umweltorganisation bei den Anlegern bürgt. Die Konzeption ermöglicht den Investoren auch einen leichteren Ausstieg, als dies bei einem direkten Engagement in Einzelprojekten der Fall wäre.

Ökologische Nachhaltigkeit und attraktive Renditen schließen sich keineswegs aus - dies zeigt die Analyse der vier für die Studie ausgewählten Naturschutzprojekte“, erläutert Dr. Peter Prokosch, Geschäftsführer des WWF Deutschland. “Sowohl die Tourismusunternehmungen in Namibia und Costa Rica als auch die Forstwirtschaftsprojekte in Brasilien und Malaysia haben sich in der Analyse als langfristig wirtschaftlich tragfähig erwiesen.” Bei einem Investitionsvolumen von insgesamt 18 Millionen Euro und einer genutzten Fläche von insgesamt 222.000 Hektar ergeben sich für das Gesamtportfolio Projektrenditen vor Steuern zwischen 10 und 25 Prozent.

Bemerkenswert ist zudem, dass jedes der Projekte trotz deutlich voneinander abweichender Ausgangsbedingungen und Geschäftskonzeptionen die Kriterien ökologischer Nachhaltigkeit erfüllt. So setzt das Tourismusprojekt in Costa Rica auf das Naturerlebnis Regenwald, während das Projekt in Namibia weiträumige Wüstenlandschaften touristisch erlebbar macht. In Brasilien wird ein natürlicher Tropenwald auf einer Fläche von 76.000 Hektar nach den Vorgaben der nachhaltigen Forstwirtschaft genutzt, während in Malaysia eine Mischwaldplantage mit rund 5.000 Hektar zunächst aufgeforstet und anschließend bewirtschaftet wird“, so Dr. Peter Prokosch.

So achtet der Projektpartner Precious Woods bei seinen forstwirtschaftlichen Unternehmungen darauf, dass nie alle Exemplare einer wertvollen Holzart geerntet werden. Es werden genug Bäume verschont, damit die Holzart selber weiter besteht und sich fortpflanzt. “Überlebende Samenbäume und gesicherter Jungwuchs sind ein zentrales Thema der Nachhaltigkeit. Ein wichtiger Teil der nachhaltigen Forstwirtschaft ist der Aspekt der Langfristigkeit und der umfassenden Sorge für den Wald. Das Schlimmste diesbezüglich sind kurz dauernde Konzessionen, wo der Holznutzer eine Ernte durchführt und den Wald nachher unbeaufsichtigt seinem Schicksal überlässt. Die nicht mehr benutzten Forststrassen werden als Einfallsachsen für Köhler und Siedler benutzt, die den Wald sukzessive ausbeuten und schließlich in Agrarfläche umwandeln“, erläutert Andres Gut von Precious Woods.

Um die projekt- und landesspezifischen Risiken so gering wie möglich zu halten, ist bei nachhaltigen Investments ein umfassendes Länder- und Projektportfolio empfehlenswert. “Da viele wichtige Naturschutzprojekte in Entwicklungsländern angesiedelt sind, müssen sich Investoren nicht nur eingehend mit den Businessplänen, sondern auch mit den politischen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern befassen“, betont Kristina Jahn, Leiterin des Projekts bei PwC. Zu den möglichen Risiken für Tourismusprojekte gehören allgemein die Verschlechterung der Sicherheitslage, Terroranschläge und nicht zuletzt das Auftreten von Krankheiten wie jüngst die Vogelgrippe oder SARS. Bei den forstwirtschaftlichen Unternehmungen kommen Ineffizienzen und Korruption bei den Behörden hinzu, die für die Erteilung der Erntebewilligungen sowie für die Verfolgung des illegalen Holzeinschlags zuständig sind. Nicht zuletzt müssen Investoren die Entwicklung der Gesetzgebung bezüglich des Landerwerbs aufmerksam verfolgen. So stellen die Bestrebungen zur Landreform in Namibia und die noch ungelösten Landnutzungsrechte in Brasilien ein potenzielles Investitionsrisiko dar. Auch unter diesem Gesichtspunkt könnte sich das vorgestellte Holding-Modell als vorteilhaft für alle Beteiligten erweisen.

Die Studie ist als kostenfreier Download verfügbar unter: [1] www.pwc.com/de [2] www.wwf.de

Ansprechpartnerin für das Projekt ist Kristina Jahn
([3] Kristina.Jahn@de.pwc.com)


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