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Urlaubsreif oder Burnout?


Monday, August 7th, 2006


Gerade die Menschen, die für ihre Arbeit mit Feuer und Flamme „brennen“ stehen in der Gefahr „auszubrennen“. Das Burnout-Syndrom betrifft nicht nur Manager und Mitarbeiter in Sozialberufen. Heute – so die Schätzungen – hat jeder fünfte Deutsche mit dem Burnout-Syndrom Bekanntschaft gemacht.
Von Joachim E. Lask* (Auszug aus der Zeitschrift “Christ und Wirtschaft” 3/06)

Gerade die Menschen, die für ihre Arbeit mit Feuer und Flamme „brennen“ stehen in der Gefahr „auszubrennen“. Früher glaubte man, dass dieses Burnout-Syndrom nur Manager und Mitarbeiter in Sozialberufen betrifft. Heute – so die Schätzungen – hat jeder fünfte Deutsche mit dem Burnout-Syndrom mehr oder weniger Bekanntschaft gemacht.

Wie kann man Burnout erkennen, welche typischen Symptome gibt es? Was können Betroffene tun?

Burnout-Betroffene fühlen sich ausgelaugt, lustlos, überdrüssig und unzufrieden. Menschen, die sich ihrer Arbeit mit Engagement und Euphorie gestellt haben, erwerben im Laufe unterschiedlicher Burnout-Phasen ein stark negatives Selbstbild und können sich über Erfolge nicht mehr freuen. Sie fühlen sich als Versager. Dieses Ausbrennen darf nicht als ein „Persönlichkeitsdefekt“ interpretiert werden, sondern ist zunächst lediglich eine Reaktion von Körper und Psyche auf große Belastungen.

Wer ist besonders gefährdet?

Burnout kommt nicht über Nacht! Burnout ist ein Zustand von physischer, geistiger und emotionaler Erschöpfung. Es schleicht sich meist über einen längeren Zeitraum ständiger Anspannung ohne entsprechende Ruhephasen ein. Der Prozess des Ausbrennens erstreckt sich häufig über Monate oder gar Jahre. Die Betroffenen haben das frustrierende Gefühl, trotz immer größeren Energieaufwands immer weniger zu erreichen.

Das Burnout-Syndrom kann jeden „treffen“. Heute weiß man, dass Burnout sich nicht auf bestimmte Branchen oder Berufsgruppen beschränkt. Gleichwohl lassen sich berufliche Anforderungsprofile beschreiben, in denen die Burnout-Gefahr höher ist.

Betroffen sind häufig die besten Mitarbeiter:
- mit hohem persönlichem Engagement,
- mit einem hohen Selbstanspruch (typische Einreden sind: „Ich will gut sein! Ich will erfolgreich sein! Ich will es den anderen zeigen! Wenn ich es nicht tue, dann macht es niemand! Ohne mich bricht hier alles zusammen. Diese Arbeit muss unbedingt bewältigt werden!“),
- mit hoher Sensibilität für andere Mitarbeiter,
- mit geringer Abgrenzungsfähigkeit (kann schwer „nein“ sagen),
- mit hohem ethischen Verantwortungsgefühl.

Was merkt die betroffene Person?

Ein erstes zentrales Burnout-Symptom kündigt sich häufig mit dem häufig wiederkehrenden Gedanken „es ist alles zu viel“ an, kombiniert mit einer anhaltenden körperlichen Erschöpfung. Diese äußert sich z. B. in ständiger Übermüdung, was sich in einem Verlust von positiven Empfindungen (einer so genannten „Anhedonie“) niederschlägt, Verlust an Freude und Wohlbefinden, psychosomatische Beschwerden wie Schwitzen, Herzklopfen, Kopfweh, Rückenschmerzen oder Impotenz. Schlafstörungen können auftreten und der Erholungseffekt des Schlafes lässt deutlich nach.

Ein weiteres Merkmal ist die emotionale Erschöpfung die sich darin zeigt, dass der Betroffene häufig schon bei geringer Belastung frustriert und gereizt reagiert oder beispielsweise situationsunangemessen zu weinen anfängt. Der Versuch sich von der Arbeit zu distanzieren – „abzuschalten“ – gelingt nicht mehr so gut wie früher, so dass sich auch in der Freizeit die Gedanken um den Beruf drehen.

Ein drittes zentrales Merkmal ist der Verlust des Persönlichkeitsgefühls. Die Betroffenen fühlen sich eher als Objekt und nicht mehr als Person. Dieses Gefühl lässt sie häufig eine negative und zynische Haltung gegenüber ihren Mitarbeitern einnehmen. Sie glauben, dass ihre Kompetenz abnimmt und neigen zu schlechter Selbstbeurteilung. Sie haben den Eindruck, schlechtere Leistungen zu erbringen und in ihrer Arbeit weniger erfolgreich zu sein. Dies widerspricht meistens der realen Leistungseinbuße. Häufig handelt es sich hier nur um eine subjektive empfundene verringerte Leistungszufriedenheit. Dies führt wiederum zu einem abnehmenden Selbstwertgefühl, wodurch die Leistungen tatsächlich nachlassen. Sie geraten regelrecht in einen Teufelskreis.

Typische Aussage eines Betroffenen: „Ich bin genervt und will keinen Menschen mehr sehen.“ Zudem sind soziale Kontakte in einer Burnout-Phase stark beeinträchtigt: Mitmenschen werden ihnen immer mehr „egal“ und fallen zur Last.

Und auch – das mag Christen überraschen – das Glaubenserleben verändert sich, so dass Gebet, Bibellese, Lobpreis, Kirchgang und andere fixe Bestandteile des aktiven Glaubenlebens nicht mehr die Stärkung vermitteln, die früher möglich war. Für Christen ist dies sehr irritierend und umso wichtiger, hier den Glauben an Jesus Christus vom Glaubenserleben (d.h. wie geht es mir gerade im Glauben) zu differenzieren.

Bewältigung und Vorsorge

„So kann es nicht weitergehen. Ich kann nicht mehr!“ – diesen Gedanken haben viele Burnout-Betroffene, wissen aber nicht recht, wie sie das Problem angehen sollen. Die Schwierigkeit ist: Wenn es uns schlecht geht, empfinden wir jede weitere Belastung wie unter einer Lupe als riesengroß. Jede noch so kleine zusätzliche Anforderung erscheint uns unüberwindbar. Der Umgang mit dem Burnout ist deshalb auch schwierig, weil die Betroffenen weiterhin im Berufsleben stehen und dem Leistungsdruck ausgesetzt bleiben.

Als erstes sollte sich der Betroffen über seine Situation bewusst werden. Hierzu gibt es Checklisten zur Selbsteinschätzung, die einen guten Orientierungswert geben (siehe Link-Sammlung auf www.workfamily-institut.de/burnout).

In der Bewältigung von Burnout kann es hilfreich sein, die Potentiale und Ressourcen der Betroffenen in den Vordergrund zu stellen statt defizitorientiert, mit dem Blick darauf was mich belastet, vorzugehen. Auf der institutionellen Ebene kann das bedeuten: klare Auftragsklärung, Abbau von Zeitdruck, realistische Ziele, beachten der Stellenprozente, Supervision, Coaching, Weiterbildung, konstruktive Zusammenarbeit fördern, solide Streitkultur entwickeln etc.

Für die betroffene Person heißt dies: Zielorientiert bleiben; real-optimistisch denken, fühlen und handeln; sich mit den persönlichen Bedürfnissen auseinandersetzen; “Nein”-sagen lernen; sich im Sinne der Ebenbildlichkeit Gottes selbst neu achten; Prioritäten neu setzen; Pausen (Sabbatgebot) einhalten; sich ausgewogen ernähren; Sport treiben usw. Noch wichtiger und für die Prävention unerlässlich ist es die Ressourcen Familie und Freunde, Einbindung in eine Kirchengemeinde, Freizeit und Hobby, sowie Urlaub zu nutzen.

* Joachim E. Lask
Jahrgang 1962, verheiratet, fünf Kinder, Dipl.-Psychologe in freier Praxis. Als Leiter des WorkFamily-Instituts coacht er Mitarbeiter im Management von WorkLife-Balancing, speziell “Vereinbarkeit von Familie und Beruf”. Mit seiner Familie lebt er in Mühltal bei Darmstadt und engagiert sich als Kirchenvorstand in der Ev. Landeskirche.




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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