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Öl- und Gasbranche: Analysten kritisieren Mangel an zukunftsfähigen Konzepten


Thursday, July 6th, 2006


München, 4. Juli 2006 – oekom research beleuchtet in seiner aktuellen Studie 19 der weltweit größten börsennotierten Öl- und Gasunternehmen und bewertet, wie zukunftsfähig die Unternehmen mit Blick auf Umwelt und Gesellschaft handeln.

Am besten abgeschnitten haben das kanadische Unternehmen Suncor Energy und Norsk Hydro aus Norwegen, dicht gefolgt von der britischen BG Group. Insgesamt verteilten die Analysten jedoch nur wenig gute Noten. Ihr Urteil: Die Branche scheut sich weitgehend davor, entscheidende Kursänderungen einzuschlagen und die eigentlichen Herausforderungen anzugehen. Benotet wurden die Konzerne auf einer Skala von A+ bis D-, wobei die beiden Vorreiter die Note B erreichten.

Mit Blick auf die drohenden Szenarien, die uns als Folgen des weltweiten Klimawandels erwarten, schauten die Analysten vor allem in Sachen Klimaschutz genau hin: “Als wesentlicher Emittent von Treibhausgasen steht die Öl- und Gasindustrie in besonderer Verantwortung, umfangreiche Maßnahmen zur Reduktion dieser Emissionen zu ergreifen”, erläutert Evelyn Bohle, Senior Analystin und Autorin der Studie. Noch vor wenigen Jahren tendierte der Sektor dazu, den Zusammenhang von Kohlendioxid-Emissionen und Klimawandel zu verharmlosen. Die Analyse zeigt, dass mittlerweile ein Prozess des Umdenkens in der Branche eingesetzt hat. Die Unternehmen stellen sich dem Thema: Konzerne wie BP oder Shell warnen sogar öffentlich vor den Folgen dieser globalen Entwicklung. Auch Repsol, Norsk Hydro und Total gehören laut der Untersuchung zu den Branchen-Vorreitern, die Strategien entwickelt haben, um der Herausforderung Klimawandel zu begegnen. Trotzdem mangele es bislang branchenweit an notwendigen und umfassenden Maßnahmen, die sich aus dem Bekenntnis zu mehr Klimaschutz ableiten lassen.

“Eine konsequente produktbezogene Umsetzung von Klimaschutzstrategien würde bedeuten, den Fokus des Kerngeschäfts zu verschieben, nämlich von der Förderung und Verarbeitung fossiler Brennstoffe hin zu erneuerbaren Energieträgern”, verdeutlicht Matthias Bönning, Chefanalyst bei oekom research, das eigentliche Dilemma in dem sich die Branche befindet. “Eine Herkulesaufgabe, die die Unternehmen nur sukzessive angehen können”, räumt Bönning ein, fordert jedoch: “Von zukunftsweisenden Unternehmen erwarten wir schon heute erste Schritte in diese Richtung”. Die Studie stellt dar, welche Unternehmen diese Weitsicht zeigen: Bei der Nutzung regenerativer Energien und der Weiterentwicklung entsprechender Technologien tut sich neben BP und Royal Dutch Shell bislang vor allem das kanadische Unternehmen Suncor hervor. Im Vergleich zum gesamten Energiemarkt können diese Bemühungen jedoch erst als Anfang gewertet werden.

“Abgesehen davon könnte die Branche schon jetzt einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten”, erläutert Bohle und fordert den konsequenten Einsatz moderner Technologien, um die Emissionen deutlich zu reduzieren. Als zentrales Beispiel führt sie die kontrovers diskutierte Praxis des Abfackelns von Gasen (”Gas Flaring”) an Ölförderstätten an. In der Branche sei dies übliche Praxis, wenn vor Ort keine Infrastruktur zur Nutzung des Gases zur Verfügung stünde. Laut Experten trägt das Gas Flaring maßgeblich dazu bei, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu erhöhen. Die Initiative “Global Gas Flaring Reduction Partnership” mit der Weltbank als Partnerorganisation schätzt, dass die Ölindustrie in einem Jahr soviel Gas ungenutzt abfackelt, wie Deutschland und Frankreich im selben Zeitraum verbrauchen. Die Studie zeigt, dass die Branche zwar für das Thema sensibilisiert ist, von einem Kurswechsel aber nicht die Rede sein kann: Kaum ein Konzern hat sich bisher eine konkrete Deadline gesetzt, um diese Praxis zu beenden.

Neben dem Klimaschutz identifizierten die Analysten weitere Kernthemen der Branche an denen sich messen lässt, wie ernsthaft die Unternehmen Ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt nachkommen. Einer dieser Indikatoren ist die Sicherheit von Tankern. Die Studie attestiert der Branche hier ein äußerst zögerliches Verhalten und kritisiert die insgesamt noch sehr hohe Intransparenz. Als vorbildlich dagegen hebt die Untersuchung die Unternehmen Norsk Hydro und Repsol hervor: Sie haben sowohl Altersbeschränkungen für ihre Flotte eingeführt als auch Richtlinien erlassen, die das Chartern von Tankern unter bestimmten Flaggen ausschließen. Uneingeschränkt auf Doppelwandtanker setzt bisher nur Norsk Hydro.

Das Resumé der Studie fällt entsprechend kritisch aus: Die Öl- und Gasbranche geht die ökologischen Herausforderungen erst zögerlich an. Zum einen sind die sichere und möglichst umweltschonende Förderung und Verarbeitung von fossilen Brennstoffen sowie deren Transport nach wie vor nicht gewährleistet. Zum anderen wird der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Energieträger bislang kaum forciert. Dennoch: Es gibt deutliche Unterschiede in den Anstrengungen der einzelnen Unternehmen. “Der Druck der Öffentlichkeit und die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben in einigen der Unternehmen zumindest ein ‚ökologisches Gewissen‘ geweckt”, schließt Bönning.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

oekom research AG, Sylvia Kloberdanz, PR und Marketing,
Goethestraße 28,
D-80336 München,
Fon: ++49-(0)89-544184-90, Fax: -99,
kloberdanz@oekom-research.com

oekom research – die Rating-Agentur
Die Münchener oekom research AG berät Investoren und Finanzdienstleister bei der Realisierung individueller Strategien für nachhaltige Investments. Das Unternehmen zählt weltweit zu den führenden Dienstleistern auf dem nachhaltigen Kapitalmarkt. Die Analysen von oekom research fließen in über 50 Fonds ein und beeinflussen damit derzeit mehr als 2,3 Milliarden Euro Assets Under Management.




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Sylvia Kloberdanz (oekom research AG)



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