Grainau (idea) - Das Kernproblem der deutschen Gesellschaft ist die zunehmende Gottlosigkeit. Dadurch spielen Werte eine immer geringere Rolle. Es gibt einen Mangel an Solidarität und bei Kindern häufig ein Defizit an Liebe. Die reicheren Eltern überlassen ihre Kinder Computerspielen, und die ärmeren vernachlässigten sie oft beispielsweise wegen Alkoholproblemen. Diese Analyse gab der Vorsitzende der Geschäftsführung der Firma Deichmann-Schuhe, Heinrich Deichmann (Essen), beim Kongreß der “Christen in der Wirtschaft” vom 15. bis 17. Juni im Zugspitzdorf Grainau. Er leitet das Familienunternehmen mit über 2.000 Verkaufsstellen in zwölf Ländern und weltweit 24.000 Mitarbeitern.
Nach Worten des Mitgliedes einer Baptistengemeinde werden Werte erst dann wieder ernst genommen, wenn es zu einer Beziehung vieler Bürger zu Gott käme. Gegenwärtig würden die Kirchen weiterhin leerer, auch wenn sich Bischöfe erfreulicherweise wieder für die Mission öffneten. Im Blick auf die Unternehmenspolitik sagte Deichmann, ethisches Verhalten zahle sich langfristig positiv aus. Die Soziale Marktwirtschaft bezeichnete er als das relativ beste Wirtschaftsmodell. Ihre Väter seien überzeugte Christen gewesen. Wo Kapitalismus nicht sozial “gebändigt” sei, gebe es wenige Superreiche, aber viele Arme. Sein Unternehmen bekenne offen, daß man sich christlichen Werten verpflichtet fühle auch beim Einstieg in den islamischen Markt der Türkei. Soziale Verantwortung nehme man dadurch wahr, daß man die Zahl der Auszubildenden beispielsweise in diesem Jahr nochmals um 150 gesteigert habe: “Wenn das alle täten, gäbe es keinen Mangel an Lehrstellen.” Auch habe man eine betriebliche Zusatzrente, jeder Mitarbeiter dürfe eine Woche Gesundheitsurlaub nehmen, und es gebe eine Unterstützungskasse für Mitarbeiter, die unverschuldet in Not geraten seien.
“Arbeitsplatzgarantie für Deutschland”
Der Unternehmer Günter Veit (Landsberg/Lech) sagte vor den 340 Teilnehmern des Kongresses, anderen Menschen zu helfen, bringe “tatsächlich Erfüllung”. Im Blick auf den Umgang mit Mitarbeitern und Kunden meinte der Chef einer Maschinenbaufirma mit rund 500 Angestellten, beim Thema Ehrlichkeit dürfe es keine Kompromisse geben: “Ein gutes Gewissen ist wichtiger als jeder kurzfristige Erfolg.” Im Gegensatz zu anderen in der Textilbranche habe er seine Firma nicht nach Asien ausgelagert, sondern sogar seinen Mitarbeitern eine “Arbeitsplatzgarantie für Deutschland” gegeben. Christen empfahl er, sich gründlich zu überlegen, welche Berufung sie in ihrem Leben hätten, welche Gaben ihnen Gott gegeben habe und wie sie sie am besten einsetzen könnten. Für die Glaubwürdigkeit von Christen sei wesentlich, daß sie eine gute Ehe führten.