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Forum CSR international



“Geiz ist und bleibt nicht geil!”


Tuesday, June 13th, 2006



Bad Boll - Falk Schöller, Studienleiter an der Evagelischen Akademie Bad Boll, missfallen Werbesprüche, die mit aggressivem und obszönem Vokabular an niedrige Emotionen appellieren. Als Mitglied im Leitungsteam der Regionalgruppe Baden-Württemberg des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik (dnwe) steht er zum Wortlaut der folgenden Erklärung: Das dnwe weiß, dass sich die Verwendung des Begriffs "geil" in den zurückliegenden Jahren stark gewandelt hat, vor allem in der Sprache der Jugend. Empfiehlt sich diese Vokabel deshalb für die Werbung von Unternehmen in besonderer Weise? Das dnwe fordert, dass mit Werbeslogans keine ethischen Werte umgedeutet werden. Dies ist keine Frage der Gesetzestreue, sondern der Beachtung der guten Sitten, und die soll auch der "ehrbare Kaufmann" achten. Die Frage nach den guten Sitten wird beim Begriff des Geizes noch schärfer: Geiz oder Habsucht bezeichnet die zwanghafte, übertriebene Sparsamkeit sowie die fehlende Bereitschaft etwas von dem abzugeben, wovon man genug hat. Die Kirche ordnete den Geiz deshalb den sieben Hauptsünden zu. Denn durch die Haltung des Geizes verkehren sich Sparsamkeit und der Erhalt des eigenen Besitzes in einen schlechten Selbstzweck. Geiz schadet einem selbst und den Mitmenschen, zumindest langfristig. Der Slogan "Geiz ist geil!" wird daher von vielen Menschen als aggressiv, ja als obszön eingestuft. Aus wirtschaftsethischer Sicht ist er auch zum Symbol für rücksichtslosen Wettbewerb geworden. Der Slogan appelliert an die niederen Emotionen unserer Konsumgesellschaft und blendet wichtige Zusammenhänge aus: Derartige Angebote betrachten den niedrigsten Preis als einziges Kaufkriterium. Die oft unmenschlichen Umstände bei der Herstellung in Billiglohnländern werden dabei übersehen. Außerdem wird an einer bedenklichen Spirale gedreht: Weil die Produkte immer billiger werden müssen, wandern viele Arbeitsplätze von Deutschland ab. Die Arbeitslosen haben aber nicht mehr die Kaufkraft, sich andere Waren als Billigimporte zu leisten. Die Spirale der Habsucht und des Geizes schlägt zurück. Von nachhaltiger Wirtschaft kann keine Rede sein. Im Sinne eines moralisch verantworteten Umgangs appelliert das dnwe-Regionalforum Baden-Württemberg an die Wirtschaft, sich bewusst und konsequent wirtschaftsethisch zu verhalten. Im Bereich der Werbung bedeutet dies einen klaren Verzicht auf aggressive Slogans, mit denen moralische Unwerte wie der Geiz zu neuen Tugenden in unserer Gesellschaft erhoben werden.




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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