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Studie: Führungskräfte brauchen Förderer


Monday, June 12th, 2006



Von Dr. Andreas Bunz* Gelebte Ethik durch Vorbilder Elemente erfolgreicher Führung hängen nach Ansicht der deutschen Wirtschaftselite von vielfältigen Einflussfaktoren ab. Dabei kommt es weniger auf die konkrete Fachkompetenz an, sondern vielmehr auf das Ergebnis einer auf Werten basierenden Haltung und ethisch-moralischen, charakterlichen Kompetenz. Der personale und soziale Aspekt rangiert deutlich vor dem fachlichen Spezialistentum. Dies betonen die Wirtschaftsführer auch in ihren Ausführungen zu den Führungseigenschaften von morgen", wo die meisten den werteorientierten Generalisten gegenüber dem strategischen Experten vorziehen. Auf dem Weg in die Vorstandsetagen haben die deutschen Führungskräfte der ersten Ebene verschiedene Karrieren durchlaufen, Rekrutierungsmechanismen erlebt und im Laufe der Herausbildung ihres eigenen Führungsverständnisses selbst Führung gespürt, reflektiert, positive wie negative Vorbilder erfahren, einen oder mehrere Mentoren gehabt. Dabei waren zunächst die eigenen Eltern prägend. Die Spitzenmanager bescheinigen insbesondere ihren Müttern eine besondere Rolle, die ihnen bis heute als Leitbild dient. In einer Zeit, in der in vielerlei Hinsicht Mangel herrschte, konnte das mitunter aufopfernde Engagement der Eltern zum Wohl ihrer Kinder vielfältige Spuren hinterlassen: praktizierte christliche Nächstenliebe, eine dienende Haltung und konkrete, lebendige Werte und Tugenden konnten Perspektiven eröffnen, dem Leben Sinn geben und Hoffnungsanker sein. Das eigene Führungsverständnis entsteht vor diesem Hintergrund also vielmehr anhand konkreter Bezüge, durch erlebbare Begegnungen und direkte, greifbare Beispiele, als durch abstraktes, erlerntes Wissen sozialer Techniken oder rezeptartiger Führungsstile. Führung korreliert gewissermaßen mit einem Leben (bzw. Lebensstil) aus "erster Hand". Führungseigenschaften der Zukunft Die Spitzenmanager erleben sich selbst in einer ambivalenten Situation: einerseits sehen sie viele der ethischen Grundlagen des ehrbaren Kaufmanns in Deutschland immer noch verankert, andererseits vermissen sie viele der Werte und Tugenden, die für ihr eigenes Selbstverständnis konstitutiv waren und sind. Dem Managementnachwuchs bescheinigt ein Großteil der etablierten Wirtschaftsführer primär "vordergründige" Qualitäten wie Risikofreude und Mut, durch Auslandssemester oder –praktika erworbene internationale Qualifikationen, aber auch Härte in der Entscheidung und Zielorientierung. Gleichzeitig vermissen sie in besonderem Maße die gerade für Führung erforderlichen sozialen Kompetenzen sowie deren wertebasierte Absicherung. So wird der Führungsnachwuchs exemplarisch charakterisiert durch "... eine aus dem Amerikanischen kommende Haltung die bedeutet: Ich bin ein Söldner. Ich biete meine Talente und meine Begabung gegen eine Beteiligung am Unternehmenserfolg. Das ist eine gefährliche Geschichte. Es wird natürlich nur die Beteiligung am positiven Erfolg gesucht. Ein zu starker Materialismus, der häufig nur kritiklos kopiert wird." Daher gilt es für die Zukunft und für den wirtschaftlich nachhaltigen Erfolg in Deutschland, sich auf gewisse Grundwerte und Tugenden zurückzubesinnen und diese vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen neu zu interpretieren. Wie kann dies nun Realität werden? Wie lassen sich Anspruch und Wirklichkeit integrieren? Dort, wo die deutschen Spitzenmanager von Mentoren begleitet wurden, hatten sie ungleich höhere Chancen, ihre Berufung zu entdecken, Sinn im Leben zu erfahren und dies selbst an die nächste Generation weiterzugeben. Gerade darin liegt eine zentrale Chance für die Führungskultur in Deutschland. Zwar lassen sich nicht alle Eventualitäten und Ereignisse des (Berufs-) Lebens vorhersehen, geschweige denn planen, andererseits kann eine an zukünftigen Perspektiven orientierte und von einer werteorientierten Basis her abgeleitete Lebensgestaltung gesunde Führung überhaupt erst ermöglichen. Inzwischen sind in verschiedenen Firmen, Institutionen und Organisationen Prozesse im Gange, die die Bedeutung von Mentorenbeziehungen erkennen lassen sowie entsprechende Kompetenzen für die Mitarbeiterauswahl, –förderung und –entwicklung nachfragen. Es könnte daher das Ziel von werteorientierten Führungskräften in Wirtschaft und Politik sein, sich an solchen Angeboten zu orientieren, die das fördernde Prinzip von Führung in ihren Konzepten und langfristig angelegten Seminaren realisieren. Literatur: Bunz, Andreas (2005): Das Führungsverständnis der deutschen Spitzenmanager. Eine empiri-sche Studie zur Soziologie der Führung, Frankfurt. Identity Foundation (2001): Quellen der Identität, Düsseldorf. Weiterführende Links zum Thema: www.soziologie-hohenheim.de www.identitiyfoundation.de www.xpand.cc *Dr. Andreas Bunz arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Universität Hohenheim. Seine Forschungs- und Tätigkeitsschwerpunkte liegen auf den Gebieten der werteorientierten Führung, der Religiosität, des Imagemanagements sowie in der Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis.




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Dr. Stephan Pesch (CiW Wirtschaftsnachrichten)



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