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Von Martina Kessler*
Unternehmen sind hierarchische Gebilde und funktionieren durch Machtmechanismen. Die Grenzen zwischen Gebrauch und Missbrauch von Macht sind aber schnell überschritten, und die persönlichen und wirtschaftlichen Folgen können fatal sein. Machtgierige Menschen können nie genug Macht bekommen. Die Wurzeln liegen oft bereits im frühen Kindesalter.
Jedes besondere Streben nach Macht verrät uns neurotische Charakterzüge. Macht wird als ein unfehlbares Mittel betrachtet, um jede Erniedrigung auszuschalten. Aus konstitutionellen Minderwertigkeiten oder aus der Geschwisterposition kann ein Gefühl der Minderwertigkeit erwachsen. Die daraus resultierende Kompensation erhöht das Persönlichkeitsgefühl. Nur wenn dieser Mensch sich selbst erhöht, hat er das Gefühl, wertvoll zu sein.
Der Willen zur Macht ist umso intensiver, je stärker und je früher das Minderwertigkeitsgefühl in den Vordergrund tritt. Niedrige Selbsteinschätzung bringt ein andauerndes Minderwertigkeitsgefühl hervor. Die bereits in frühkindlicher Zeit versuchte Beherrschung der Situation wird zum Leitmotiv auch im Berufsleben.
Hinzu kommt: Leider sind machtgierige Menschen in der Regel blind für sich selbst. In ihrem Denken sind es die anderen, die Probleme machen. Sündenerkenntnis über ihr Verhalten ist ihnen fremd. In eine Therapie begeben sie sich selten. Macht geben sie erst ab, wenn sie dazu gezwungen werden.
Machtgier, Dominanz und Geltungsstreben
Häufig werden machtgierige Menschen und dominante Menschen gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung ist falsch. Alle Persönlichkeitstypen können Machtgierige werden. Auch ein in der Öffentlichkeit kaum auffälliger Mensch kann machtgierig sein, indem er im Hintergrund seine Fäden zieht. Andere wiederum wollen vor anderen etwas gelten und nicht über andere Menschen Macht ausüben. Diese Menschen haben ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis und können gut für sich selbst sorgen. Sie achten darauf, dass sie gut weg kommen. Daher können sie leicht mit machtgierigen Menschen verwechselt werden. In aller Regel ist ein geltungsbedürftiger Mensch jedoch sofort korrekturbereit, wenn er gespiegelt bekommt, wie sein Geltungsgehabe auf andere wirkt.
Symptome beim "Opfer"
Wenn Sie sich in der Gegenwart eines Menschen kontinuierlich klein fühlen, können Sie sicher sein, dass Sie es mit einem machtgierigen Menschen zu tun haben. Achten Sie auf Ihre Gefühle!
Wollen Sie dem Menschen beständig nach den Augen schauen?
Wollen sie dafür sorgen, dass er zufrieden ist?
Haben Sie Angst, dass dann alles nur noch schlimmer wird?
Hat der Mensch eine Umgebung um sich herum aufgebaut, in der er der Held ist?
Schützt ihn diese Gruppe, wenn Sie ihn kritisieren wollen?
Werden Sie verletzt von diesem Menschen und sehen keine Chance ihm das zu sagen?
Möchten Sie anderen betroffenen Menschen helfen und sie schützen?
Bekommen Sie von der Person gelegentlich Zuckerbrote?
Denken Sie über legale Wege zur Rache nach?
Fühlen Sie sich besiegt?
Haben Sie manchmal das Gefühl nicht normal zu sein?
Ist abends, vor dem Schlafen gehen, Ihr letzter Gedanke bei diesem Menschen und morgens Ihr erster auch?
Je mehr Fragen Sie mit ja beantworten können, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen machtgierigen Menschen in Ihrer Umgebung haben.
Zum Umgang mit machtgierigen Menschen
So können Sie sich vor Machtmenschen schützen:
Erkennen Sie Ihre Macht. Es gibt nur dann Täter, wenn Menschen sich zum Opfer machen lassen!
Setzen Sie Grenzen. Ein machtgieriger Mensch testet sofort die Grenzen aus. Es ist erforderlich, dass Sie wissen, was Sie wollen. Da der machtgierige Mensch das Leid anderer nicht sieht, braucht er Ihre klare Haltung und Handlung.
Machen Sie sich ihre eigene Achillesferse bewusst. Wo sind Sie verletzlich, wo angreifbar? Wieso geraten gerade Sie in solche Situationen? Wenn Sie die eigene Achillesferse entdecken, können Sie sich in Zukunft besonders schützen.
Schätzen Sie den Charakter des anderen realistisch ein. Achten Sie bei einem Menschen, der Ihnen ein komisches Gefühl verursacht, mehr auf die Ergebnisse/Früchte als auf seine Worte.
Machen Sie nach Möglichkeit die Taktiken der machtgierigen Menschen transparent. Machen Sie die anderen in der Besprechung darauf aufmerksam, wenn jemand eigenmächtig gehandelt hat, der andere vom Thema ablenkt usw. Tun Sie dies an Ort und Stelle, damit die anderen merken, wovon Sie reden.
Vermeiden Sie Drohungen. Geben Sie dem Machtgierigen nicht das Gefühl, zu verlieren! Solch ein Mensch wird eher eine Politik der verbrannten Erde verfolgen, als alleine zu verlieren. Siegen Sie nicht und geben Sie nicht nach. Wer siegen will, entwürdigt den anderen. Wer nachgibt, entwürdigt sich selber. Versuchen Sie Gewinner-Gewinner-Lösungen zu finden. Dies erfordert manchmal viel Kreativität und Weisheit von Gott.
Seien Sie auf Konsequenzen gefasst. Es kann passieren, dass Sie verleumdet und entlassen werden. Seien sie auf die Rache des Machtgierigen gefasst. Nicht zuletzt, weil Sie durch solche Lebensumstände ernsthaft erkranken können.
Steigen Sie aus dem System aus. Das System um einen Machtgierigen herum funktioniert, wenn es von genügend Menschen ermöglicht wird. Ist es Ihnen nicht möglich, sich ganz aus einer Situation herauszuziehen, oder die Situation transparent zu machen, dann können Sie sich aus dem System soweit zurückziehen, dass Sie durch Ihre Mithilfe das System nicht stärken.
Vermeiden Sie aussichtslose Kämpfe. Manchmal ist Flucht die einzige Rettung.
*Martina Kessler ist Dozentin an der Akademie für christliche Führungskräfte und selbstständige Seelsorgerin mit den Schwerpunkten: Coaching für Führungskräfte und problemorientierte Einzel- und Paarberatung; Autorin des Buches Die Machtfalle. Machtmenschen in der Gemeinde (martina.kessler@acf.de).
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