Berlin > Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft hat die Stiftung Warentest das “runde Leder” einem Qualitätstest unterzogen und die Sportartikelfirmen dabei auch nach ihrer unternehmerischen Verantwortung in den Herstellungsländern befragt. Unter der Überschrift “Fairplay setzt sich durch” berichten die Warentester in dem aktuellen Heft 6/2006 nicht nur über einzelne Produkte, sondern auch zu den Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben.
Herstellerländer für Fußbälle sind fast ausschließlich Pakistan, Thailand und China. Allein aus der 400.000-Einwohner-Metropole Sialkot im Nordosten Pakistans stammen etwa 60 Prozent der weltweit verkauften Fußbälle, und Sportartikelkonzerne wie Nike, adidas, Puma oder Derbystar lassen in dieser Stadt produzieren. 3 000 Rupien pro Monat beträgt der Mindestlohn eines pakistanischen Arbeiters, das entspricht etwa 40 Euro und ist auch in Pakistan zu wenig, um eine Familie zu ernähren. In Nähzentren werden Fußbälle von Hand zusammengenäht und die Arbeiter nach Stückzahl bezahlt. Zwischen 37 und 55 Rupien (50 bis 75 Cent) pro Stück können die Näher verdienen, und sie verarbeiten drei bis sechs Bälle pro Tag. Ihr Verdienst liegt damit höher als der festangestellter Fabrikarbeiter, ihnen entgehen aber Sozialleistungen, die nur die Fabrikarbeiter bekommen.
Im Rahmen ihrer CSR-Untersuchung haben die Warentester zunächst Fragebögen an die untersuchten Sportartikelhersteller versandt. Lediglich die Firma Hudora aus Remscheid und der Discounter Aldi beantworteten diese Fragebögen nicht. Der Aldi-Aktionsball stammt von der Firma Tramondi, von denen ein anderes Produkt ebenfalls am Test teilnahm. Die Firma Tramondi zeigt nach Auskunft der Warentester lediglich Ansätze unternehmerischer Verantwortung, obwohl Produkte des Unternehmens ein Fair-Trade-Siegel trugen. Der Verein Transfair hat inzwischen reagiert und dem Tramondi-Ball das Siegel entzogen.
“Firmen ohne Fairtradesiegel engagieren sich teilweise wesentlich stärker“, stellen die Warentester fest. Sie heben adidas mit seinem WM-Ball Teamgeist positiv hervor: Der Ball wird in Thailand von der Firma Molten zusammengenäht und geklebt. Bei einem Besuch vor Ort überzeugten sich die Tester davon, dass die hohen sozial-ökologischen Standards von adidas dort angewandt werden: Es gibt eine Krankenversicherung, eine Altersversorgung und eine Sozialversicherung. Nike und Puma lassen in Sialkot bei der Firma Saga Sports fertigen, die ebenfalls ein hohes Engagement für ihre Arbeitnehmer zeigt und z.B. auch Nähern ohne Vertrag und deren Angehörigen eine medizinische Versorgung anbietet.
“Trotz aller Fortschritte bleibt ein ungutes Gefühl“, schreibt die Stiftung in ihrem CSR-Bericht. “Für einen hochwertigen Fußball muss ein Näher die Nadel rund 1 400 Mal durch dicken Kunststoff treiben. Das dauert bis zu drei Stunden und bringt ihm rund 60 Cent. Ein handgenähter Fußball kostet in Europa aber bis zu 100 Euro.”
Der lesenswerte Test steht im Internet für 0,50 EUR zum Download bereit:
http://www.stiftung-warentest.de/online/bildung_soziales/test/1379545/1379545/1380259.html