Berlin > Corporate Social Responsibility ist das langsame Bohren von harten Brettern mit Augenmaß und Ausdauer. Dieses Statement des Hauptredners Klaus M. Leisinger stand mit am Anfang der gestrigen Tagung “Verantwortung neu denken - Unternehmen im Dialog” in Berlin. Über 150 Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Verbänden diskutierten auf Einladung der Bertelsmann-Stiftung Fragen der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung und nahmen dabei die Auswirkungen der Globalisierung in den Blick.
“Der Nationalstaat hat in Bezug auf die Lösung wesentlicher globaler Sozial- und Wirtschaftprobleme an Bedeutung verloren. Er wird für große Probleme als zu klein und für kleine Probleme als zu groß wahrgenommen“, erläuterte Prof. Dr. Klaus M. Leisinger, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für den Global Compact und Präsident der Novartis-Stiftung für Nachhaltige Entwicklung. Das Vertrauen in die Politik schwinde. Angesichts einer von vielen Bürgern als Bedrohung wahrgenommenen Globalisierung werde auch global handelnden Unternehmen mit Misstrauen begegnet. “Machen Sie Ihre ‘Hausaufgaben’ als global verantwortliches Unternehmen, bevor Greenpeaceaktivisten an Ihr Werkstor angekettet sind - das spart Kosten”, appellierte der Globalisierungsexperte an die Unternehmer.
Globalisierungsangst bereite den Boden für Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die als “Watchdogs” wahrgenommen und mit größerem Vertrauen bedacht würden. Leisinger riet Unternehmen zu einem Mehr an Dialog mit NGOs. Diese seien wichtige Gesprächspartner, weil sie die Welt aus einer anderen Perspektive sähen. “Wer auf den Produkt- und Dienstleistungsmärkten erfolgreich sein will, muss die Meinungsmärkte kennen“, so Leisinger. Unternehmen mit einem dialoggestärkten Frühwarnsystem seien erfolgreicher. Es gelte, das Know How und die Erfahrungswerte der NGOs zu nutzen.
Zugleich forderte Leisinger die Integration der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung in die Unternehmenskultur. “Wenn CSR nur ein ad on ist, bringt das gar nichts.” Dazu sei die Beteiligung möglichst vieler Mitarbeiter des Unternehmens eine Kernherausforderung. “CSR darf keine Kopfgeburt einer Stababteilung im Vorstand sein. Sie müssen Mehrheiten im Unternehmen haben“, sagte Leisinger.
Im Verlauf der Veranstaltung diskutierten Unternehmenslenker und NGO-Vertreter Fragen der gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung im sozialen Wandel und gaben Einblicke in ihre Praxis. Dabei würde auch deutlich, wie persönlich der Zugang zur CSR sein kann: “Ich bin mit einem behinderten Bruder aufgewachsen, und das hat mich geprägt“, bekannte Dr. Arend Oetker, Geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Arend Oetker Holding GmbH&Co.KG, deren gesellschaftliches Engagement als vorbildlich gilt.