München, im Mai 2006 – Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ist am 4. Mai 2006 im Rahmen einer Fachtagung der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) in Heidelberg vergeben worden. Der mit 7.500 Euro dotierte Forschungspreis dient der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung.
Das Thema der diesjährigen Ausschreibung lautete „Die kulturelle Dimension von Nachhaltigkeit“. Aus den 17 eingereichten Studien, überwiegend Diplom- und Doktorarbeiten, wurden zwei für einen Preis ausgewählt.
Der Ökonom Niko Paech erhielt 5.000 Euro für seine von der Universität Oldenburg angenommene betriebswirtschaftliche Habilitationsschrift „Nachhaltiges Wirtschaften jenseits von Innovationsorientierung und Wachstum – Eine unternehmensbezogene Transformationstheorie“. Die Arbeit setzt sich kritisch mit zwei ökonomischen Dogmen auseinander: erstens, dass ein permanentes Wirtschaftswachstum mit dem hinreichenden Schutz der ökologischen Lebensgrundlagen grundsätzlich zu vereinbaren sei; und zweitens, dass nachhaltige Entwicklung nur eine Frage der „richtigen“ und tiefgreifenden technischen Innovationen sei. Demgegenüber wird sowohl theoretisch als auch empirisch, am Beispiel des Internethandels mit gebrauchten Gütern, die Bedeutung wachstumsneutraler Produkt- und Dienstleistungsinnovationen sowie nachhaltiger Konsummuster herausgearbeitet. Ohne kulturellen Wandel des Konsumverhaltens keine nachhaltige Entwicklung, so lautet die zentrale These der Studie. Unternehmen, die langfristig profitabel und nachhaltig wirtschaften wollen, müssen sich daher der Herausforderung stellen, dass in Zukunft nicht nur anders konsumiert werden wird, sondern vor allem auch – weniger.
Die Umweltwissenschaftlerin Bianca Borowski erhielt den im Rahmen des Kapp-Forschungspreises mit 2.500 Euro dotierten Sonderpreis der Selbach-Umwelt-Stiftung für ihre an der Universität Lüneburg verfasste Diplomarbeit „Die Bedeutung der Dimension Zeit für eine nachhaltige Viehwirtschaft – Konzepte, Praxiserfahrungen und Perspektiven“. Die Arbeit macht deutlich, wie sehr die landwirtschaftliche Nutztierhaltung dem Beschleunigungsdiktat der modernen Wirtschaft unterliegt. Eigenzeiten und Rhythmen der Tiere werden zunehmend „ökonomisiert“. Immer mehr Leistung in immer weniger Zeit: diese Maxime gilt mittlerweile selbst für Teile der ökologischen Landwirtschaft, die gerade im Bereich der Tierhaltung nicht immer ihrem Anspruch gerecht wird, nachhaltig zu wirtschaften. Anhand von drei landwirtschaftlichen Betrieben werden von der Autorin im Gegenzug die Gestaltungsspielräume für ein zeitsensibles Handeln aufgezeigt, die auch unter den heutigen rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen für eine andere Kultur des Umgangs mit landwirtschaftlich genutzten Tieren bestehen.
Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie wird im zweijährigen Turnus gemeinsam von der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ), der Kapp-Stiftung, der Hatzfeldt-Stiftung, der Selbach-Umwelt-Stiftung sowie der Forschungsgesellschaft anstiftung vergeben. Der Name des Preises erinnert an den bedeutenden Ökonomen Karl William Kapp (1910–1976), der bereits Anfang der 50er Jahre als einer der ersten Ökonomen die sozialen und ökologischen externen Kosten der Marktwirtschaft aufgezeigt und analysiert hat. Die Jury des Preises ist interdisziplinär besetzt und besteht aus renommierten WissenschaftlerInnen der Ökonomie, Soziologie, Wissenschaftstheorie sowie der Natur- und Kulturwissenschaft.