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Ende der Kinderarbeit (nicht) zum Greifen nah


Friday, May 5th, 2006


Heidelberg > Der gestern von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) vorgelegte zweite Gesamtbericht über Kinderarbeit trägt nach Ansicht des Deutschen NRO-Forums Kinderarbeit einen zu optimistischen Titel: „Das Ende der Kinderarbeit: Zum Greifen nah“. Eine solche Aussage ist nach Ansicht deutscher Nichtregierungsorganisation unrealistisch: „Vor allem in Afrika und Südasien ist Kinderarbeit nach wie vor sehr verbreitet. Hierfür sind viele Ursachen verantwortlich. In Indien gehört zum Beispiel das Kastenwesen dazu, das noch immer in ländlichen Regionen den Alltag vieler Menschen beherrscht. In den meisten afrikanischen Ländern prägt die informelle Wirtschaft die Arbeitswelt des größten Teiles der Bevölkerung. In dieser informellen Wirtschaft ist Kinderarbeit überall anzutreffen, dort werden Arbeitsgesetze und internationale Arbeitsnormen weitgehend missachtet“, meint der Koordinator des NRO-Forums Kinderarbeit, Klaus Heidel von der Werkstatt Ökonomie. Angesichts solcher Realitäten sind nach seiner Ansicht die jetzt von der ILO vorgelegten Daten nicht ausreichend, um die Behauptung vom nahen Ende der Kinderarbeit zu stützen.

Zugleich kritisieren die deutschen Nichtregierungsorganisationen, dass der neue Bericht der ILO nur ansatzweise ein differenzierendes Bild von Kinderarbeit zeichnet: „Kinderarbeit ist nicht gleich Kinderarbeit“, meint Heidel. „Diesem Umstand trägt die ILO nicht ausreichend Rechnung. Zwar finden sich immer wieder differenzierende Hinweise, sie werden aber in zusammenfassenden Aussagen nicht aufgegriffen.“

Andererseits begrüßt das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit, dass der ILO-Bericht mehrere Forderungen des Forums aufgreift: „Dass der Bericht der ILO eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Durchführung Maßnahmen zur Überwindung von Kinderarbeit fordert, ist ein Schritt in die richtige Richtung“, so Heidel. Positiv sei weiter, dass der Bericht die Notwendigkeit eines kinderrechtlichen Ansatzes betont, auf Kinderarbeit in der informellen Ökonomie eingeht und die Bedeutung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen für die Verwirklichung der Kinderrechte betont. Allerdings kritisiert das Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit, dass der neue Gesamtbericht der ILO nicht untersucht, welche Auswirkungen Globalisierungsprozesse und wirtschaftspolitische Strategien wie Liberalisierungen, Deregulierungen und Privatisierungen auf Kinderarbeit haben. Doch unbeschadet ihrer Kritik teilen die deutschen Nichtregierungsorganisationen die Einschätzung der ILO, dass die Zeit zur weltweiten Verwirklichung der Kinderrechte auch für arbeitende Kinder und Jugendliche günstiger als noch vor zehn Jahren ist.

Das im Jahre 2000 gegründete Deutsche NRO-Forum Kinderarbeit wird getragen von Brot für die Welt, DGB-Bildungswerk, Kindernothilfe, ProNats, terre des hommes und Werkstatt Ökonomie.

Informationen im Internet: www.forum-kinderarbeit.de




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Achim Halfmann (CSR NEWS)

Achim Halfmann is CSR NEWS' managing director and editor-in-chief.

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