München > Glänzen die Hersteller der High-Tech-Produkte auf Kosten von Kinderarbeit und Umweltverschmutzung? Die Rating Agentur oekom research analysiert, inwieweit Hersteller ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt gerecht werden - trotz Preisdruck und rasanter Produktentwicklung.
Die CeBIT dokumentiert auch in diesem Jahr: Der technologische Wandel schreitet rasend schnell voran. Wer mithalten will, muss in kürzester Zeit neue Produkte entwickeln und auf den Markt bringen - und das zu wettbewerbsfähigen Preisen. Für die Hersteller eine Herausforderung. Die Lösung sehen die meisten Unternehmen im “Offshoring” - der Verlagerung der Produktion ins Ausland - vor allem nach China, das wegen seiner miserablen Arbeitsrechtslage immer wieder Schlagzeilen macht. Fördert unser digital living also Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen?
“Die IT-Branche zeigt, dass sie nicht nur bei der Produktentwicklung flexibel reagieren kann. Einige IT-Hersteller bemühen sich ebenso zügig, gewisse Mindeststandards in den Produktionsbetrieben zu implementieren”, lobt Kristina Rüter, Analystin bei oekom research, die Vorreiter der Branche. Beispielsweise haben die US-Unternehmen Hewlett-Packard, Dell und IBM gemeinsam mit einigen bedeutenden Zulieferern den Common Electronic Industry Code of Conduct entwickelt und realisiert. Die Unterzeichner verpflichten sich, soziale und ökologische Mindeststandards in ihren eigenen Betrieben und in denen ihrer Zulieferer einzuhalten. Dazu zählen beispielsweise die Einhaltung von Mindestlöhnen, maximaler Arbeitszeiten und die Einführung von Umweltmanagementsystemen. Ein positives Signal setzt auch der japanische Hersteller von Unterhaltungselektronik Matsushita Electric Industrial (bekannteste Marke: Panasonic), der sich auch in Ländern, in denen der Gesetzesrahmen nur eingeschränkt gewerkschaftliche Organisation der Arbeiter zulässt, für ein Mitspracherecht der Angestellten einsetzt.
“Das sind die Vorreiter. Andere Unternehmen zeigen allerdings noch wenig Verantwortung gegenüber Menschen, die an der Herstellung ihrer Produkte beteiligt sind, so etwa der amerikanische Computerhersteller Sun Microsystems oder der japanische Hitachi Konzern”, erläutert Rüter. “Insgesamt spielen soziale Standards sowohl bei den Zulieferern selbst als auch bei der Vergabe-Praxis von Aufträgen bislang eine geringe Rolle”, weiß die Expertin.
Besonders gut schnitten im Corporate Responsibility Rating von oekom research ab: Ricoh, Motorola, Sharp, Toshiba, Canon, Hewlett- Packard und Advanced Micro Devices (AMD). Insgesamt tun sich die Unternehmen der Branche eher durch Maßnahmen im Umweltschutz hervor. Die soziale Komponente wird jedoch in der Regel noch vernachlässigt. “Es bleibt noch viel zu tun, bis sich die Konsumenten darauf verlassen können, ihr Digital Living mit gutem Gewissen genießen zu dürfen”, resümiert Rüter.