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Jeder kann etwas tun - CSR in der Metallbranche

Posted By Achim Halfmann (CSR NEWS) On February 27, 2006 @ 6:10 pm In +german, editor's news | Comments Disabled

Corporate Social Responsibility (CSR) meint die soziale Verantwortung eines Unternehmens. M&T metallhandwerk sprach mit einem auf diesem Gebiet sehr aktiven Metallbau-Unternehmer. Lesen Sie hier, welchen Nutzen soziale Aktivitäten dem Betrieb und der Gesellschaft bringen. (Ausgabe Nr. 2/2006 – Februar – 108. Jahrgang)

Herr Halfmann, bitte erläutern Sie, was Corporate Social Responsibility (CSR) bedeutet.

Eine richtig gute Übersetzung für diesen englischsprachigen Begriff habe ich in unserer Sprache noch nicht gehört. Übersetzt man es wörtlich, heißt es Unternehmerische Soziale Verantwortung.
Es gibt eine ganze Reihe verwandter Begriffe, die bekanntesten sind Corporate Good Citizenship oder Corporate Citizenship. Gemeint ist die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens sowohl für das Umfeld als auch für die eigenen Mitarbeiter, sowohl für die Ökologie als auch für die Gestaltung von Arbeitsbeziehungen und Arbeitsverhältnissen, für die Produktqualität und für den Umgang mit Kunden und Lieferanten. Damit ist die Verantwortung gemeint, die über das Mindestmaß an gesetzlich vorgegebener Verantwortung und auch über das Maß an moralischer Verantwortung hinausgeht. Kurzum, es geht um freiwillige Leistungen von Unternehmen für das eigene gesellschaftliche Umfeld.

Woher stammt die CSR?

Das, was wir heute unter CSR verstehen, stammt aus dem angelsächsisch-amerikanischen Raum, sprich den Vereinigten Staaten und Großbritannien.
Auch hier in Deutschland gab es schon vor vielen Jahren ähnliche Bestrebungen. Ich denke da an die großen Unternehmerfamilien des 19. Jahrhunderts wie Siemens, Krupp oder Bosch. Durch den Bau von Arbeitersiedlungen, Krankenhäusern und kulturellen Einrichtungen engagierten sich diese – zunächst für ihre eigenen Mitarbeiter, im Zuge dessen aber auch für ihre Kommune.
Je weiter der deutsche Staat im 20. Jahrhundert die soziale Sicherung übernahm, desto mehr zogen die Unternehmer sich aus ihrer Verantwortung zurück. Da in anderen Ländern die soziale Absicherung nie derart ausgeprägt war wie bei uns, wurden dort die Bürger oder Unternehmer selber tätig. Das, was ich als die neue CSR bezeichnen möchte, kommt seit einigen Jahren aus den USA und Großbritannien zu uns herüber.

Heißt das, bei uns gibt es keine Unternehmer, die soziale Verantwortung übernehmen?

Aber nein. Natürlich übernehmen auch hier viele Unternehmer diese Verantwortung. Bei der Großindustrie ist dieses Thema meiner Meinung nach schon seit vielen Jahren erkannt. Bitte verwechseln Sie die CSR jedoch nicht mit gewöhnlichem Sponsoring.
Wenn eine Bank einen Fußballverein unterstützt, nützt das sicher dem Verein, doch auch die Bank tut etwas für ihr Marketing.
CSR ist jedoch mehr. Ich denke hier an die Förderung kultureller Einrichtungen, wohltätige Spenden, das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeitern, Förderung im Bereich der Ausbildung etc.

Was bringt die CSR?

Viele profitieren von der CSR: das Unternehmen, dessen Geschäftspartner, die Kommune.
Ein Beispiel aus der Weihnachtszeit: Da bekomme ich von einem Geschäftspartner eine Karte mit dem Hinweis, dass ich dieses Jahr keine Weihnachtsgeschenke von ihm erhalte, sondern das die entsprechenden Gelder für eine Spende verwendet worden seien. So weit, so gut.
Aber was passiert genau mit dem Geld? Wer hat das Geld bekommen? Wie viel? Welches Projekt konnte damit realisiert werden? Ich würde mich freuen, wenn im Frühling eines Jahres hierzu eine Mitteilung käme und ich sehen könnte, für welche sinnvollen Projekte das Geld eingesetzt wurde. Dann wäre ich beeindruckt vom gesellschaftlichen Engagement meines Geschäftspartners, dieser hätte sich sozial engagiert und der Geldempfänger profitiert ebenfalls.
Sie sehen: Es ist völlig legitim, dass jeder Unternehmer, der CSR betreibt, auch selbst davon profitiert.

Sie wünschen sich von Ihren Geschäftspartnern also ein gewissenhaftes, planvolles Vorgehen.

Ja natürlich. CSR ist eine strategische Angelegenheit. Sie gehört in die Hände der Geschäftsleitung und muss langfristig geplant werden, um glaubwürdig zu sein.

Sie sprachen eben die Grußindustrie an. Diese Firmen verfügen für solche Aufgaben ja sicher über entsprechende Stabsstellen. Wie sieht es aber in einem Handwerksbetrieb aus? Was sagen Sie zur Arbeitsüberlastung der Inhaber?

Die Arbeitsüberlastung ist kein Argument. Jeder Unternehmer, der sich mit einem Unternehmensleitbild, einer Marketing-Strategie oder struktureller Pressearbeit, sprich mit einer langfristigen Unternehmensplanung auseinander setzt, kommt früher oder später an der CSR nicht vorbei. Diese bedeutet dann keine Mehrarbeit, sondern ist Bestandteil der genannten Aufgaben.
Und dann gibt es mittlerweile viele Institutionen, Webseiten, Förderstellen und Agenturen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Der Unternehmer steht also nicht alleine da.

Nennen Sie bitte einige konkrete Beispiele, wie Sie die CSR betreiben.

Gerne. Ein langfristiges Projekt hier im Bergischen ist die Büffelbude. Darüber hinaus arbeite ich gerade an einem Projekt in Sibirien. Rund 150 Kilometer nördlich von Irkutsk bauen wir zusammen mit russischen Partnern eine Trinkwasseranlage. Übrigens, hier ist jede Hilfe gerne willkommen. Ich sagte eben, dass die strategische Planung der CSR Aufgabe des Inhabers und/oder Geschäftsführers ist. Bei der Umsetzung kommt es natürlich in hohem Maße auch auf das Engagement der Mitarbeiter an.

Wie wecken Sie bei Ihren Angestellten die Bereitschaft zur Mitarbeit über die bezahlte Arbeit hinaus?

Durch das Vorbild und durch den guten Eindruck, der durch diese Mitarbeit auch auf meine Angestellten übergeht. Unser Engagement ist in der Region und in der Regionalpresse bekannt. Durch positive Rückmeldungen aus der Gesellschaft fühlen sich meine Mitarbeiter in ihrem Wirken bestärkt. Ich behaupte, die Identifikation mit dem Unternehmen und auch das Engagement für das Unternehmen sind höher als anderswo.

Wie wird sich die CSR zukünftig in Deutschland entwickeln, was ist Ihre Einschätzung?

Wenn ich es einmal betriebswirtschaftlich formulieren darf: Auf der Anbieterseite von CSR hat sich viel getan. Im Bereich der Großunternehmen sowieso, bei den kleineren Unternehmen merke ich, dass sich ein Bewusstsein entwickelt.
Was noch fehlt, ist die Nachfrageseite. Kauft der Kunde auch weiterhin beim billigsten Anbieter, oder schaut er, wie diese Preise zustande kommen? Beispiel Textilindustrie: Ich wünsche mir, dass Kleidung aus Asien, die unter unmenschlichen Bedingungen zu Hungerlöhnen produziert wird, auf dem deutschen Markt keine Chance hat.
Neu ist, dass zum Beispiel die Stiftung Warentest in ihre Untersuchungen von Produkten diese Gesichtspunkte einfließen lässt.
Für das Bauwesen wünsche ich mir, dass Einkäufer ihr Augenmerk auch – ich sage nicht: nur – auf das gesellschaftliche Engagement eines Lieferanten richten und dies in ihre Kaufentscheidung mit einfließen lassen.

Dipl.-Sozialarbeiter Achim Halfmann (44) ist Geschäftsführer der GFH Scheideweg Metallbau gGmbH in Hückeswagen. Das unter anderem im Anlagenbau und in der Zerspanung tätige Unternehmen beschäftigt rund zwanzig Mitarbeiter. Bei dem Betrieb handelt es sich um ein Unternehmen der Gefährdetenhilfe Scheideweg e.V. Dieser Verein betreut – ausgehend vom christlichen Grundverständnis des Miteinanders und der gegenseitigen Hilfestellung – unter anderem Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Für diese wird in dem Metallbauunternehmen auch eine überdurchschnittlich hohe Zahl von Ausbildungsplätzen bereitgehalten.
Des Weiteren führt Achim Halfmann die Agentur public integration Ltd. Diese unterstützt interessierte Unternehmer bei der Entwicklung von CSR-Projekten.


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